{"id":228,"date":"2010-09-17T04:09:17","date_gmt":"2010-09-17T04:09:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/?p=228"},"modified":"2014-07-16T21:52:19","modified_gmt":"2014-07-16T21:52:19","slug":"ganesha-festival","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/?p=228","title":{"rendered":"Ganesha Festival"},"content":{"rendered":"<p>Es kam was kommen musste. Ich durfte in der letzen Woche das indische Gesundheitssystem testen. Zuvor hatten sich einige Moskitostiche b\u00f6se entz\u00fcndet. Mein gesamter rechter Fu\u00df ist dadurch angeschwollen, wodurch ich nicht mehr in der Lage war richtig aufzutreten und mich auf einem Fu\u00df fortbewegt habe. Das war nat\u00fcrlich kein Zustand aber ich habe gedacht nach ein paar Tagen wird sich das schon legen. Aber es wurde von Tag zu Tag schlimmer und irgendwann meinte Helmut dann es w\u00e4re nun wirklich an der Zeit einen Arzt aufzusuchen. Ich muss gestehen, dass ich nicht unbedingt angetan war hier einen Dorfarzt bzw. ein Krankenhaus aufzusuchen. Ich hab zuvor viele Geschichten geh\u00f6rt. Von Leuten, die sich hier \u201eDoctor\u201c nennen aber nie zuvor Medizin studiert haben und mal eben Blut abnehmen obwohl man nur einen Husten hat. Au\u00dferdem haben andere Freiwillige ihre eigenen sterilen Nadeln aus Deutschland mitgebracht weil sie Angst hatten, dass hier Nadeln nur mit Alkohol desinfiziert werden und danach wiederbenutzt werden. Solche Horrorstories gehen hier um!<br \/>\nAlso bin ich zusammen mit Helmut mit total mulmigem Gef\u00fchl Richtung Krankenhaus aufgebrochen.  Ich hatte mich gleich auf eine mehrst\u00fcndige Warterei eingestellt aber schon zu Beginn wurden wir \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>Unser Bus-Driver hat uns mit dem School-Van zum 2Km entfernten Queen Mary Hospital gebracht. Ein v\u00f6llig neues und sauberes Krankenhaus, das unter katholischer Tr\u00e4gerschaft steht. Viel los war auch nicht und so sind Sunil, der ebenfalls eine Verletzung am Fu\u00df hatte und ich sofort drangekommen. Der Arzt konnte fl\u00fcssig Englisch, hat sich sofort erkundigt was wir hier machen und uns erstmal beruhigt, dass meine Schwellung nach der Einnahme einiger Medikamente und durch Ruhe nach ein paar Tagen wirklich wieder weggeht.<br \/>\nWomit er mich dann doch geschockt hat, war die Tetanus-Spritze, die er mir verpassen wollte. Meine letzte Tetanus-Impfung hab ich 2008 in Deutschland bekommen und er meinte eine Auffrischung w\u00e4re definitiv besser, also blieb mir nichts anderes als einzuwilligen. Im anderen Behandlungszimmer bekam ich dann die Spritze und einen neuen Verband verpasst. Deutsche Spritzen werden ja grunds\u00e4tzlich in die Oberarmmuskulatur gespritzt, aber die Inder machen es nat\u00fcrlich wieder anders. So wurde mir die Tetanus-Spritze in die H\u00fcfte gejagt. Bei der Spritze handelt es nat\u00fcrlich um sterile Spritzen und auch die Einstichstelle wurde vorher desinfiziert. Nach einem frischen Verband konnten wir dann noch in der Krankenhausapotheke meine Medikamente besorgen. Also besser h\u00e4tte eine Behandlung in Deutschland nicht ablaufen k\u00f6nnen. Ich war echt super positiv \u00fcberrascht. Und das Beste an der ganzen Sache ist, dass die Behandlung, der Verband, die Spritze und die Medikamente nicht mehr als 10\u20ac gekostet haben. Ja, liebes deutsches Gesundheitssystem daran m\u00fcssen wir wohl noch arbeiten! \uf04a<\/p>\n<p>Hier im Projekt wurde am vergangen Wochenende das Ganesha-Festival gefeiert. Die Kinder haben ja schon Wochen vorher mit den Vorbereitungen f\u00fcr die Genesha-H\u00fctte angefangen.  W\u00e4hrend des Festivals kommt der Gott Genesha auf der Erde zu Besuch. Deshalb hat unser Bus-Driver mehrere Statuen aus Lehm angefertigt und handbemalt. Die Kinder haben f\u00fcr die H\u00fctte Palmenbl\u00e4tter geflochten, welche dann als W\u00e4nde und Dach dienten. Damit es nicht zu sehr rein regnet wurde noch eine Plane dr\u00fcber geschmissen. Von innen wurde die H\u00fctte nat\u00fcrlich in kitschigen Farben geschm\u00fcckt. Es sah aus wie zu Weihnachten. \u00dcberall funkelte, blitze und blinkte es. Und in der Mitte stand die pinke Ganesha Statue.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival4.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-230\" title=\"Ganesha.Festival4\" src=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival4.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"771\" srcset=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival4.jpg 640w, http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival4-199x300.jpg 199w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gegen Donnerstagabend gab es dann noch einmal eine gro\u00dfe \u00dcberraschung. Wir wurden von den Kindern durch wildes Klopfen an unserer Zimmert\u00fcr darauf hingewiesen, dass wir doch jetzt schnell zu einer \u201efunction\u201c in die Hall kommen sollen. Die \u201efunction\u201c stellte sich als Feierstunde heraus. Denn unser Projektleiter und seine Frau hatten 14. Hochzeitstag und die Kinder hatten dieses Datum wohl irgendwie herausbekommen und eine kleine Feierstunde organisiert. Richtig knuffig. Es gab Kuchen und zur Feier des Tages wahnsinnig s\u00fc\u00dfe Fanta. Danach wurde dann noch wild in der Halle rumgeturnt und dann sind wir nur noch ins Bett gefallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival5.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-229\" title=\"Ganesha.Festival5\" src=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival5.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"340\" srcset=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival5.jpg 640w, http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival5-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was wir dann am n\u00e4chsten Tag mal wieder nicht wussten, dass aufgrund des Genesha Festivals, der Freitag frei ist und deshalb die Schule ausf\u00e4llt. Die Kinder haben den Tag genutzt um ihre H\u00fctte fertigzustellen und Helmut und ich haben uns \u00fcber einen freien Tag gefreut.<br \/>\nSo hab ich gegen Abend mit ein paar Kindern erstmal den Plastikm\u00fcll zusammengesammelt, der hier auf dem gesamten Gel\u00e4nde rumfliegt und verbrannt. Das Problem ist n\u00e4mlich, dass man am Umgang mit dem M\u00fcll noch sehr gut sieht, dass Indien landwirtschaftlich gepr\u00e4gt ist.<br \/>\nAbf\u00e4lle werden einfach auf den Boden geworfen, egal ob es in der Stadt oder auf dem Land ist. Die Inder gehen davon aus, dass eh alles verrottet, vergammelt oder verrostet. Nur das Plastik nicht vergeht, damit haben sie nat\u00fcrlich nicht gerechnet. Dementsprechend sieht es hier halt auch aus. \u00dcberall liegt irgendwelcher M\u00fcll rum und vor allem der Plastikm\u00fcll springt sofort ins Auge.<\/p>\n<p>Am Samstag haben wir dann vormittags zusammen mit Suvi und Georg das Genesha Festival gefeiert. Dabei haben sich alle in der H\u00fctte versammelt und haben w\u00e4hrend unterschiedlicher Gebete die Statue angebetet.  Zum Anlass des Festes haben die Kids auch alle neue Klamotten bekommen und haben uns diese ganz stolz pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Gegen fr\u00fchen Nachmittag haben wir Volunteers uns dann auf nach Mysore gemacht um dort im Parklane Hotel zu speisen und ich habe mir im Cafe Coffee Day einen Choco Cappuccino samt leckeren Muffin geg\u00f6nnt. Herrlich mal wieder einen Cappuccino zu trinken. Bei uns im Projekt gibt\u2019s n\u00e4mlich nur indischen Chai, ein schwarzer Tee der mit viel Milch und noch mehr Zucker serviert wird. Lecker aber trotzdem vermiss ich einen vern\u00fcnftigen Kaffee.<br \/>\nNaja und nebenbei wurde noch die Einkaufsliste abgeklappert.<br \/>\nAm Sontag haben wir uns dann auf die Weg in den Zoo Mysores aufgemacht. Dieser war nat\u00fcrlich aufgrund des Festivaldays total \u00fcberf\u00fcllt. So wurden nicht nur Bildern von den vielen exotischen Tieren gemacht sondern auch von uns. Ich will nicht wissen auf wie vielen Handykameras ich jetzt vertreten bin, denn die Inder haben einfach im Vorbeigehen ihre Kamera auf uns gerichtet. Nebenbei kommen nat\u00fcrlich immer wieder die allseits beliebten Fragen: \u201eWhat is your name\u201c und \u201eWhere are you from?\u201c Mehr ist eigentlich gar nicht wichtig.  Von einigen Indern wurde ich auch \u201eversehentlich\u201c angerempelt und kurz am Arm ber\u00fchrt. Dieses Prozedere machen sie um zu gucken wie sich so eine wei\u00dfe Haut denn anf\u00fchlt und ob die wirklich echt ist.<\/p>\n<p>Danach haben wir uns ins Restaurant begeben und den Tag in Ruhe ausklingen lassen wollen, haben aber unfreiwillig unser erstes indisches Unwetter miterlebt. Es hat gesch\u00fcttet wie aus Eimern und bei dem nicht vorhandenen Kanalisationssystem hier, hat der Regen dann die Stra\u00dfen sofort in Fl\u00fcsse verwandelt.<\/p>\n<p>Am Montag endete hier im Projekt das Genesha Festival. Genesha wird verabschiedet, in dem er zur\u00fcck zum Meer gebracht wird. Hier im Projekt wurde dies symbolisch dargestellt, indem die Statue im Brunnen versenkt wurde. Danach gab es dann noch leckere Fr\u00fcchte und S\u00fc\u00dfigkeiten zu Essen.<\/p>\n<p>Nach langen hin und her haben wir auch die Schaukel fertiggestellt. Die Stelle an den wir den von uns bemalten Ast zwischen zwei B\u00e4ume h\u00e4ngen, hatten wir uns schon l\u00e4nger ausgeguckt. Auch die \u00d6sen f\u00fcr die Aufh\u00e4ngung der Seile hatten wir in der Stadt besorgt. Das Problem war nur die L\u00f6cher in den Ast zu bekommen. Einen Bohrer gibt\u2019s hier im Projekt aber halt nicht dauerhaft Strom. Meistens wird der Strom ab 19 Uhr angeschaltet, nur dann ist es hier meist schon dunkel. Also mussten wir diese T\u00e4tigkeit von Tag zu Tag verschieben weil wir einfach keinen Strom f\u00fcr den Bohrer hatten. Aber nun ist es geschafft und die Kinder haben sich riesig gefreut. Einziges Problem ist, dass das Seil langsam durchscheuert und wir nochmal ein Vern\u00fcnftiges aus der Stadt besorgen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-233\" title=\"Ganesha.Festival1\" src=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival1.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival1.jpg 640w, http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch das Gem\u00fcsebeet nimmt langsam Formen an. Dazu muss ich sagen, dass wir die 14 Felder hier mit zwei kleinen Handschaufeln und einer Brechstange bearbeiten. Mehr Gartenwerkzeug gibt es leider nicht und ein Sparten w\u00e4re echt Gold wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-232\" title=\"Ganesha.Festival2\" src=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival2.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival2.jpg 640w, http:\/\/www.patrickglandorf.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Ganesha.Festival2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen ist auch der f\u00fcr meinen F\u00fchrerschein ben\u00f6tigte \u201eAdress proof\u201c hier eingetroffen. Wieder so eine witzige Geschichte. Der Brief wurde einfach von der Sekret\u00e4rin in die Projektunterlagen abgelegt und nicht an mich weitergeleitet. Ich hab nat\u00fcrlich die ganze Zeit Stre\u00df beim ICDE India gemacht, warum die denn dieses Brief nicht endlich schicken. Nur durch Zufall hab ich mal meinen Projektmanager gefragt ob er so einen Brief vielleicht erhalten h\u00e4tte. Et voil\u00e0.<br \/>\nAlso am Wochenende geht\u2019s zum Road Traffic Office, den indischen F\u00fchrerschein beantragen. Dr\u00fcckt mir die Daumen, dass es alles soweit klappt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kam was kommen musste. Ich durfte in der letzen Woche das indische Gesundheitssystem testen. Zuvor hatten sich einige Moskitostiche b\u00f6se entz\u00fcndet. Mein gesamter rechter Fu\u00df ist dadurch angeschwollen, wodurch ich nicht mehr in der Lage war richtig aufzutreten und mich auf einem Fu\u00df fortbewegt habe. 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